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Mehr als dreißig Minuten sind wir bereits unterwegs. Unser Zodiac-Schlauchboot schießt mit bis zu 90
Stundenkilometern über die Wasseroberfläche, lässt Victoria und den Südzipfel von Vancouver Island hinter sich. Unser Ziel ist die Haro Strait. Dort wurden heute Morgen Orcas gesichtet, die sogenannten
Killerwale.
Das leichte 12-Mann-Boot, welches auch von der Küstenwache für Rettungseinsätze benutzt wird, reitet praktisch auf
jeder Welle. Wasser spritzt ins Boot. An unseren speziellen Schutzanzügen prallt es ab, überzieht die gelbe Schutzhaut mit einer glänzenden, perlenartigen Schicht. Die beiden Passagiere vorne im Boot
werden ganz schön durchgeschüttelt. Nicht umsonst heißt dieser Platz Rodeoseat.
Unser Captain ist Adam Hellicar, Chef der Whale Watching Company Ocean Explorations aus Victoria. Ab und zu ruft
er per Funk die Zentrale und lässt sich jene Position durchgeben, an der die Wale zuletzt gesichtet wurden. Für die Passagiere sind diese Funksprüche kaum zu verstehen. Nur blechern klingende Wortfetzen
dringen zu ihnen durch.
Die Bootsführer wissen zwar in der Regel, wo die Tiere anzutreffen sind. Doch sie nutzen auch weitere
Informationsquellen, um eine noch genauere Position der Wale zu bekommen.
"Es gibt ein Netzwerk von Booten, die zusammenarbeiten und die Positionen bekannt geben", erklärt Adam
Hellicar. "Deshalb sind wir sind ständig in Kontakt mit der Ocean Explorations Basis. Dort laufen alle für uns wichtigen Informationen zusammen."
Der Weite des Meeres preisgegeben brauchen Whalewatcher aber vor allem gute Augen, um die Orcas schließlich zu
sichten. Und so hält auch Adam ständig Ausschau nach Zeichen, die auf Wale hindeuten. "Orcas auf 3.00 Uhr", hören wir plötzlich unseren Bootsführer aufgeregt rufen. Wir Passagiere schauen
gebannt nach rechts. Captain Adam zeigt auf eine Stelle an der Wasseroberfläche. Da sind sie! Endlich.
Noch sehen wir sie nur von weitem. Je näher wir jedoch herankommen, desto mehr steigt unsere Spannung. Drei, vier,
fünf ... über zwanzig schwarze Rückenflossen müssen es sein, die die Wasseroberfläche durchpflügen.
Schwarze Körper tauchen ab, schieben sich wenig später zum Atmen aus dem Wasser, hohe Fontänen ausstoßend. Wow!
Ein Moment, den man nicht so leicht vergisst.
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