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"Heute ist ein Super-Pod-Day. Wahnsinn!", ruft uns Adam mit Freude zu. Wir haben großes Glück. An diesem
Tag treffen sich gleich mehrere Walfamilien an dieser Stelle zur Futtersuche. Eine solche Anhäufung von Tieren zu beobachten ist äußerst selten.
Für viele der im Boot sitzenden Passagiere ist es das erste Orcaerlebnis in der freien Natur. Und dann gleich
dies. Was wir hier erleben ist nicht vergleichbar mit jenen Shows, die jährlich Zehntausende von Besuchern in die verschiedenen US-Freizeitparks locken. Fünf Jahre zuvor besuchte ich Seaworld in San
Diego. Ich erinnere mich noch genau an das im Vergleich zum Pazifik winzige Becken, in dem die Wale ihre Runden drehen müssen. Runde um Runde; sie führen ein Leben in Gefangenschaft. Es tröstet Freunde
dieser faszinierenden Tiere nur wenig, dass einige Orcas sogar in solchen Freizeitparks geboren wurden.
Hier hingegen, vor den Juan de Fuca Islands in der Haro Strait nahe der US-Grenze, ziehen die Orcas kilometerweit
ihre Bahnen. Nichts als Weite umgibt sie. Höchstens wir Menschen mit unseren Booten stören die Harmonie.
Während wir die Wale beobachten, folgt Adam ihnen mit unserem Boot in großem Abstand. Er hält sich damit strikt an
die Richtlinien, die für Whalewatching erlassen wurden. Sie regeln unter anderem den Beobachtungsabstand, den man möglichst nicht unterschreiten sollte. Viele Boote sind jedoch näher dran, vor allem
Privatboote, die sogenannten Pleasureboats. Sie rücken den Walen regelrecht auf die Pelle. Zum Glück gibt es die Soundwatch, eine Organisation, die den regen Waltourismus mit argwöhnischen Augen
beobachtet und bei groben Regelverstößen den Störenfried direkt zur Verantwortung zieht.
Welches Ausmaß der Waltourismus angenommen hat, zeigt das Beispiel Victoria: Dort gibt es fast 20
Whalewatching-Organisationen, die mit dieser Art Touristenattraktion ihr Geld verdienen. An manchen Tagen – meistens während der Hauptsaison im Juli und August – trifft man über hundert Boote
gleichzeitig bei den Walen an. Neben zahlreichen Kajaktouristen, die den Orcas entlang der Küste folgen, sind viele weitere Privatboote darunter. Besonders deren Bootsführer halten sich oft nicht an die
vorgeschriebenen Mindestabstände von rund hundert Metern oder kreuzen einfach den Weg der Wale. Sie wollen ihren zahlenden Gästen an Bord die besten Fotospots bescheren. Aufsehen erregende Fotos, wie man
sie aus Geo oder National-Geographic kennt, kommen bei diesen touristisch organisierten Fahrten aber nur durch großen Zufall zustande.
Während die anderen Boote den ziehenden Walen weiter folgen, stoppt Adam die Fahrt der zwei 150-PS-Maschinen. Wir
treiben praktisch auf dem Wasser. Um uns herum ist Ruhe eingekehrt. Von weitem sehen wir die Wale. Ein paar Minuten sind wir bereits in dieser Position, da steuern drei von ihnen auf unser leuchtend
orangefarbenes Boot zu. Ein Weibchen mit zwei Babykillerwalen. Mal mehr, mal weniger ist von ihnen zu sehen; schwarze Rücken mit weißen Sattelflecken, von denen das Wasser glänzend abperlt. Die Spannung
im Boot steigt. Hoffentlich drehen sie nicht plötzlich ab. Nein, die Orcas halten weiter direkt auf uns zu. Nur noch fünf, vier, drei Meter sind die Meeressäuger vom Boot entfernt. Was für ein Anblick!
Da tauchen sie weg. Sie verschwinden in den Fluten – um kurze Zeit später auf der anderen Seite des Bootes wieder aufzutauchen. Wir sehen ihre Rückenflossen.
Es scheint, als ob sie uns damit zum Abschied winken würden. Good bye, tourists. Good bye, Orcas.
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