|
“Wie kann ich die Wale beobachten, möglichst ohne sie zu stören? Dies ist die wichtigste Frage, die sich auf einer
Whalewatching-Tour stellt. Schließlich ist sie ein Eingriff in die Welt dieser Meeressäuger. Ihr Element ist das Wasser und ihre Sinnesorgane sind auf diesen Lebensraum ausgerichtet. Dabei spielen
Schallwellen eine wichtige Rolle, sie dienen unter anderem der Echolotung. Doch der Lärm, den vor allem die Bootsmotoren verursachen, stört die Kommunikation und Navigation der Tiere. Lautäußerungen, die
zur Orientierung oder zur Verständigung dienen, werden teilweise von lauten Geräuschen der Schiffsschrauben überlagert. Und die Boote selbst stellen oftmals ein mechanisches Hindernis dar. Vor allem
dann, wenn ein Bootsführer den heran schwimmenden Killerwalen seinen Kahn direkt vor die Nase fährt.
Zum Glück kann auf dem Wasser nicht jeder Bootsfahrer machen, was er möchte. Sogenannte Guidelines schreiben vor,
wie man sich in der Nähe von Walen zu verhalten hat. In den USA und Kanada sind Störungen der Wale ausdrücklich verboten und werden bestraft. In Kanada ist das Departement of Fisheries and Oceans für die
Organisation und den Schutz der Meeressäugetiere verantwortlich, in den USA ist es der National Marine Fisheries Service.
Trotz der Richtlinien und der Mitarbeit vieler Umweltschutzinstitutionen und des guten Willens der meisten
Whalewatching-Unternehmen gibt es immer noch einige schwarze Schafe. Probleme machen in erster Linie die Pleasureboats, kleine Privatboote mit Freizeitkapitänen.
Die Soundwatch, die die Einhaltung der Guidelines in der Hairo Strait überwacht, ist leider nur wenig wirksam.
Personell ist sie nicht in der Lage, an jeder Stelle der Wasserstraße zu sein und überall die Einhaltung der Richtlinien zu beobachten.
Was besagen nun die Guidelines? Sie legen zum Beispiel die Distanz zwischen Boot und Orcas fest, die unbedingt
eingehalten werden sollte. Laut Richtlinien darf man eine Entfernung von knapp hundert Metern nicht unterschreiten, wenn man sich den Killerwalen nähert. Der Bootsführer sollte die Wale dabei immer nur
von der Seite ansteuern, nie von vorne oder von hinten. Am besten mit einer geringen Geschwindigkeit. Dabei sind plötzliche Geschwindigkeitsänderungen ebenso zu vermeiden wie schnelle Richtungswechsel.
Sie könnten die Meeressäuger verunsichern.
Folgt man den Walen, sollte man dies parallel zu ihrer Schwimmrichtung tun und die Geschwindigkeit möglichst
konstant halten. Ziehen die Wale nahe des Ufers entlang, ist besondere Vorsicht geboten. Auf keinen Fall darf man das Boot zwischen die Wale und das Ufer steuern.
Dümpelte das Whalewatching-Boot bislang ruhig auf der Wasseroberfläche dahin und wird nun wieder gestartet, kann
dies auch eine Störquelle sein. In einem solchen Fall sollte man warten, bis die Orcas mindestens hundert Meter weit entfernt sind. Erst dann kann man die Maschinen anwerfen und seinen Beobachtungsort
langsam verlassen. Sind die Tiere bereits über dreihundert Meter vom Boot entfernt, kann beschleunigt werden.
Wieviel Zeit sollte man überhaupt bei den Killerwalen verbringen? Die Guidelines schlagen weniger als 30 Minuten
vor, wenn die Wale zwischen ein- und zweihundert Meter entfernt sind.
Verfolgen mehrere Boote eine Gruppe von Walen, macht es wenig Sinn, sich ihnen anzuschließen. Warum nicht mit
einem Fernglas die Umgebung nach Walen in einer unbeobachteten Gruppe absuchen und dieser dann folgen?
Zum Schluss noch ein Tip: Ein untrügliches Zeichen dafür, dass Wale sich gestört fühlen, ist eine ständige
Änderung ihrer Schwimmrichtung und ihres Verhaltens. Dann sollte man die Tiere in Ruhe ziehen lassen.
Das Robson Bight (Michael Bigg) Ecological Reserve
Das Robson Bight (Michael Bigg) Ecological Reserve in der Johnstone Strait stellt eine Besonderheit dar. Es
beinhaltet rund 1.300 Hektar Wasserfläche und 500 Hektar Land. Das Reserve ist Teil der Route, die die Orcas auf ihrer Futtersuche durchstreifen. Außerdem findet man hier die sogenannten Rubbing Beaches.
In diesem Gebiet haben sich viele Forscher niedergelassen, die hier das Leben der Orcas studieren. Touristen ist
es nicht gestattet, ohne Erlaubnis einzufahren bzw. das Land zu betreten.”
* Auszug aus “Orcas an der Westküste Kanadas” von Frank Sonnenberg, fsonny.project world, Wuppertal
|